Mit allen Sinnen- Robert Firgau

Aktualisiert: 24. Aug.


Heute schreiben wir über den Künstler Robert Firgau, der als studierter Bildhauer sein Leben den Steinen widmet. Nicht umsonst hieß sein Ausstellung im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf „ Steinliebe – Lyrikliebe“.

Wir hatten das große Glück, an einer persönlichen durch den Künstler und seine Frau Nada R. Künster geleiteten Sonderführung "Mit allen Sinnen" teilnehmen zu können. Spontan wie wir sind, haben wir uns Sonntagmorgens auf den Weg gemacht, um dieser außergewöhnlichen Führung beizuwohnen. Der Künstler Robert Firgau ist uns nicht unbekannt, denn obwohl er in Heidelberg geboren ist, lebt er schon seit seinem Studium für Bildhauerei im Rheinland. Als freischaffender Künstler arbeitet er in Köln und in seinem Atelier in Bonn.

Zurück zum Sonntagmorgen im Heinrich-Heine-Institut. Alle Teilnehmer wurden herzlich empfangen und erhielten eine – einige zu ihrer Verwunderung - Schlafmaske zu der Führung. Was war der Hintergrund ? Durch das Ausschalten des sonst so vertrauten Sinnes – das Sehen mit den Augen – sollte uns eine bessere Fokussierung auf den Tast- und Hörsinn gelingen, ein Schauen von innen, ein entschleunigter Blick. So wurden alle Teilnehmer „blind“ in die Ausstellung geleitet und bekamen einen Platz an einem Exponat zugewiesen. Wie in einer Zeremonie wurden vom Band Gedichte von Thomas Karl Hagen rezitiert, dabei lag die Konzentration auf dem reinen Zuhören. Gedichte von Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine bis zu Rainer Maria Rilke suchten eindringlich ihren Weg in die auf sich vorerst „allein gestellten“ Ohren. Nachdem die Stimme auf dem Tonträger verstummt war, folgte der Teil für den „blinden Betrachter“ bei dem er mit seinen Händen die Skulptur ertasten, fühlen, umarmen konnte, und so ganz nebenbei wurde der Stein auch kalt oder eher warm wahrgenommen. Vorsorglich hatten wir alle unseren Schmuck abgelegt und unsere Hände mit Rosmarin Puder gepflegt, damit die Steine bei der „Betrachtung durch die Hände“ unversehrt blieben. Robert Firgau arbeitet vornehmlich mit Alabaster, Speckstein und Marmor, die sich in ihrer Oberfläche beim Tasten auch in ihrer Oberflächenbeschaffenheit unterscheiden. Während die Hände dem Gehirn die Tastimpulse weiterleiteten, wurde das Gehör von einer musikalischen Interpretation der Cellistin Jeanette Gier begleitet. Dabei ging es um speziell für die Ausstellung von Studenten der Musikhochschule Köln komponierte zeitgenössische Werke für das Cello, die in einen Dialog mit den Skulpturen und Texten treten sollten. Wir haben bei einem Stein die Form eines Herzens sofort erkannt und waren erstaunt, dass die Oberfläche nicht durchgehend glatt war, sondern wir kleine Risse fühlen konnten. Im Gedanken an das menschliche Herz hat auch das Steinherz von den Einschlüssen aus vergangener Zeit eine Art von Narben zurückbehalten. Bei den Menschen kann man es nicht unbedingt sehen, aber auch da ist nicht jedes Herz unbeschädigt im Laufe eines langen Lebens, es wird nur nie dem Gegenüber so zur Schau gestellt. Darüber aktiv laut nachgedacht wurde nach dem musikalischen Intermezzo, als die Teilnehmer nach ihren Empfindungen befragt wurden. Es fand ein Austausch zwischen den Besuchern und dem Künstler statt. Moderiert wurde die Führung in einer bezaubernden Art von der Künstlerin Nada R. Künster. Nach dem gemeinsamen Erlebnis war reichlich Zeit für eine Erkundung der restlichen Ausstellung mit insgesamt 18 Exponaten und natürlich die Möglichkeit für ein Gespräch mit dem Künstler selbst.

Wir bedanken uns für die interessante Vorführung und sind froh den Weg in die Stadt mit „D“ gefunden zu haben. Das Erlebnis die Steine ertasten zu können – wo kann man sonst bildhauende Kunst berühren ?! Somit waren wir vor Ort direkt in Interaktion mit den Kunstwerken von Robert Firgau. Das hat bei uns einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!


Unser Tipp:

17. und 18. September "Offene Ateliers Bonn-Altstadt" 13.00 - 18.00 Uhr

Robert Firgau öffnet an diesem Tag sein eignes Atelier in der Thomas-Mann-Straße 36,

53111Bonn.





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